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Auracast im Klassenzimmer: Weniger Hörstress, mehr Lernen – für alle

  • Autorenbild: Die DiklusionsGestalter e.V.
    Die DiklusionsGestalter e.V.
  • 27. Feb.
  • 11 Min. Lesezeit

In vielen Klassenzimmern ist der Ton schlechter als jede Tafelkreide: Nachhall, Störgeräusche und große Distanzen zwischen Lehrkraft und Schülern erschweren das Zuhören erheblich (Mealings, 2023). Dabei ist Sprachverstehen die Grundlage fast aller Unterrichtsformen.

Gleichzeitig stehen mit modernen Hörgeräte‑Algorithmen, Bluetooth LE Audio und Auracast™ Broadcast Audio neue Technologien bereit, die das Signal‑Rausch‑Verhältnis (SNR) nicht nur punktuell, sondern strukturell verbessern können (Bluetooth SIG, o. J.-a; Winneke et al., 2020). Im Zusammenspiel mit didaktischen Konzepten wie der Synesthetic Learning Pedagogy, die systematisch mehrere Sinneskanäle nutzt, eröffnet sich hier ein neuer Weg zu inklusivem, kognitiv entlastetem Lernen (Narasimhan et al., 2021).


Der folgende Beitrag fasst zentrale Forschungsergebnisse zu Akustik, Höranstrengung und multikanaligem Lernen zusammen, skizziert die Rolle von Auracast im Unterricht und bietet eine Argumentationshilfe für Schul­leitungen und Schulträger – inklusive eines groben Kostenvergleichs mit etablierten FM‑ und Soundfield‑Systemen wie z.B. Phonak Roger SoundField.


Klassenraumakustik und ihre Wirkung auf Lernen und Wohlbefinden


Die Metastudie von Mealings (2023) wertet 13 Studien zu raumakustischen Maßnahmen im Unterricht aus, etwa Deckenabsorber, Wandpaneele oder andere schallabsorbierende Materialien. Die Autorin zeigt, dass Klassenräume häufig akustisch suboptimal sind, was sich direkt auf das Zuhören, die Lernleistung und das Wohlbefinden der Schüler auswirkt.

Insgesamt zeigt das Review, dass akustische Verbesserungen des Raums – etwa durch Absorber – eine relevante, nachweisbare Entlastung für Schüler darstellen (Mealings, 2023). Gleichzeitig macht sie deutlich, dass bauliche Maßnahmen allein nicht ausreichen, um alle Hör‑ und Lernanforderungen zu lösen, insbesondere bei Kindern mit Hörbeeinträchtigungen oder Aufmerksamkeitsstörungen.


Wenn Verstehen mehr Kraft kostet als nötig


Hören ist Arbeit – besonders im Störgeräusch. Winneke et al. (2020) untersuchten mit EEG, wie Richtmikrofon‑Technologie in Hörgeräten das Signal‑Rausch‑Verhältnis verbessert und damit Hör‑ und Gedächtnisanstrengung reduziert.


In zwei Experimenten zeigte sich:

  • Richtmikrofone, die Störschall ausblenden, senken subjektiv berichtete Höranstrengung,

  • und reduzieren gleichzeitig neurophysiologische Marker für kognitive Belastung beim Zuhören und Erinnern.


Je klarer die Lehrerstimme im Unterricht gegenüber dem Hintergrundlärm – desto mehr kognitive Ressourcen bleiben für Verstehen, Problemlösen und Behalten. Gerade für Kinder mit Hörbeeinträchtigungen, AVWS, ADHS oder Autismus ist dieser Unterschied entscheidend (Mealings, 2023; Winneke et al., 2020).


Technische Systeme im Klassenraum – ob FM, Soundfield oder Auracast – setzen genau hier an: Sie versuchen, das Nutzsignal (die Lehrerstimme) relativ zum Störschall zu verstärken, entweder im Raum (Soundfield) oder direkt am Ohr (FM, Auracast).

 

Synesthetic Learning Pedagogy: Mehrkanaliges Lernen als Leitbild

Die Synesthetic Learning Pedagogy (SLP) wurde von Narasimhan et al. (2021) zunächst für die Ingenieursausbildung beschrieben. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass das Zusammenspiel von Video, Audio und inneren Bildern („imagery“) Lernprozesse auf mehreren Ebenen unterstützen kann. SLP versteht Lernen als bewusste Orchestrierung verschiedener Sinneskanäle und knüpft an neurokognitive Befunde zu „cross‑modality interactions“ an – also dazu, wie unterschiedliche Sinnesreize sich im Gehirn gegenseitig beeinflussen (Narasimhan et al., 2021).


Überträgt man dieses Konzept in den Schulunterricht, ergeben sich u. a. folgende Konsequenzen:

  • Audio (Lehrerstimme, Erklärungen) sollte klar, individuell steuerbar und kombinierbar mit visuellen Materialien sein.

  • Für manche Schüler*innen (z. B. mit Hörverlust oder Aufmerksamkeitsproblemen) ist ein besonders stabiler, gut fokussierbarer Audiokanal Voraussetzung dafür, dass andere Kanäle (Tafelbild, Arbeitsblatt) überhaupt sinnvoll genutzt werden können (Mealings, 2023; Narasimhan et al., 2021).


Hier zeigt sich eine natürliche Verbindung zwischen didaktischen Konzepten wie SLP und technischen Lösungen wie Auracast: Ein zuverlässiger, flexibler Audiokanal ins Ohr ist kein Luxus, sondern Baustein einer modernen, synästhetisch gedachten Lernumgebung.

Konsequent weitergedacht ermöglicht Auracast in Verbindung mit PC‑basierter Audioverarbeitung aber nicht nur einen Kanal, sondern mehrere parallele Audiostreams: Neben der „Standardsprache“ der Lehrkraft könnten zum Beispiel gleichzeitig eine Version in Leichter Sprache oder eine Fremdsprachenfassung bereitgestellt werden.


Die technische Grundlage dafür ist im Auracast‑Standard und in ersten Produkten bereits angelegt:

  • Die Hearing Loss Association of America beschreibt, dass mehrere Audiostreams gleichzeitig ausgesendet werden können, etwa für Sprachübersetzung oder Audiodeskription, aus denen die Nutzer*innen den passenden Stream auswählen.

  • Hersteller wie Avantree betonen, dass Auracast mehrere gleichzeitige Streams unterstützt und sich damit speziell für Multi‑Language‑Broadcasts und Assistive Listening eignet.

  • Williams AV hebt hervor, dass Auracast ein skalierbarer Ansatz ist, um assistives Hören und mehrsprachige Audioangebote in Klassenräumen, Hörsälen und Veranstaltungsräumen bereitzustellen.


Nordic Semiconductor beschreibt konkret Szenarien, in denen internationale Schulen mit multilingualen Lerngruppen gleichzeitige Audio‑Streams in verschiedenen Sprachen anbieten, sodass Schüler*innen per eigenem Gerät ihre bevorzugte Sprache wählen können. Damit ist das Prinzip „ein Sprecher, mehrere parallele Sprachfassungen per Auracast“ bereits als realistisches Einsatzszenario skizziert – nur eben bislang eher für Hochschulen, internationale Schulen oder öffentliche Räume.


Auch die Kopplung von Auracast und KI‑gestützter Echtzeitübersetzung ist keine Zukunftsmusik mehr: Die Bluetooth SIG stellt ein Projekt von Toshiba Information Systems vor, bei dem Auracast‑Broadcast‑Audio mit AI‑basierter Simultanübersetzung kombiniert wird – mit dem erklärten Ziel, Sprachbarrieren in Echtzeit zu überwinden. Solche Lösungen folgen genau der Pipeline, die für den Unterricht beschrieben wurde: Spracherkennung → KI‑Interpretation/Übersetzung → Audioausgabe auf mehrere Streams.


Konkret ließe sich im Klassenzimmer eine technische Konfiguration wie folgt umsetzen:

  1. Audioeingang

    Die Lehrkraft oder ein Schüler spricht in ein Funk‑ oder USB‑Mikrofon, das an einen Unterrichts‑PC angebunden ist. Der PC empfängt das Live‑Audiosignal als zentrale Eingangsspur (vergleichbar mit Set‑ups, wie sie heute bereits für Online‑Unterricht und Vorlesungsaufzeichnungen genutzt werden).


  2. KI‑basierte Verarbeitung auf dem PC

    • Ein Modul für automatische Spracherkennung wandelt die Lehrerstimme in Echtzeit in Text um.

    • Ein KI‑Agent formuliert daraus parallel eine Fassung in Leichter Sprache (vereinfachte Syntax, reduzierter Wortschatz, klarere Struktur).

    • Ein weiterer KI‑Agent übernimmt bei Bedarf die Übersetzung in eine Fremdsprache (z. B. Englisch, Ukrainisch).

    • Text‑to‑Speech‑Engines erzeugen aus diesen Textvarianten jeweils eigene Audiospuren (Standard, Leichte Sprache, Fremdsprache).


Dass genau solche Pipelines bereits erprobt werden, zeigt das Toshiba‑Beispiel der Bluetooth SIG, bei dem gesprochene Sprache per KI in andere Sprachen übersetzt und anschließend über Auracast an viele Geräte gestreamt wird.


  1. Routing zu Auracast‑Kanälen

    Die drei Audiosignale werden auf dem PC getrennt geroutet und an einen oder mehrere Auracast‑fähige Sender weitergegeben. Professionelle Systeme wie Auri TX2N von Listen Technologies/Ampetronic unterstützen z. B. Dual‑Mono‑Streams mit getrennten Inhalten (etwa unterschiedliche Sprachen); durch mehrere Transmitter lässt sich die Kanalzahl weiter erhöhen.ampetronic Für den Raum erscheinen diese Streams als unterschiedliche „Audio‑WLANs“, z. B.:

    • „Unterricht – Standard“

    • „Unterricht – Leichte Sprache“

    • „Unterricht – Englisch“

 

Vergleichbare Multi‑Channel‑Szenarien werden heute schon für Theater (Standardmix, verstärkter Dialog, Audiodeskription) und Museen (Führungen in mehreren Sprachen) diskutiert und demonstriert.


  1. Empfang durch die Schüler

    • Schüler mit Hörgeräten oder CIs wählen am eigenen Endgerät den passenden Auracast‑Stream aus und erhalten eine für sie passende Sprachversion direkt im Hörsystem.

    • Andere Schüler nutzen schulische oder eigene Kopfhörer bzw. Smartphones und entscheiden sich für den Kanal, der ihrem Sprachniveau oder ihrer Muttersprache entspricht (z. B. Standarddeutsch, Leichte Sprache, Englisch).


Hersteller wie ClearaSound und AuriAudio beschreiben bereits explizit, dass Auracast‑basierte Assistive‑Listening‑Systeme für Bildungsumgebungen entwickelt werden und dort „klaren und zugänglichen Unterricht für alle Schüler“ ermöglichen sollen. Avantree benennt Klassenräume als Beispiel, in denen Vorlesungen oder Sprachübersetzungen direkt auf die Geräte der Lernenden gestreamt werden.


Auf diese Weise entsteht aus einem einzigen gesprochenen Unterrichtsbeitrag ein mehrkanaliges, differenziertes Audioumfeld, das sowohl sprachliche Heterogenität (z. B. neu zugewanderte Schüler*innen) als auch unterschiedliche kognitive Voraussetzungen (z. B. Bedarf an Leichter Sprache) adressiert – technisch abgestützt durch bereits beschriebene Auracast‑Mehrkanal‑ und Echtzeitübersetzungs‑Szenarien. Damit wird das SLP‑Prinzip – Inhalte synästhetisch und differenziert aufzubereiten – nicht nur pädagogisch, sondern auch technisch direkt unterstützt (Mealings, 2023; Narasimhan et al., 2021).


Wenn die Schüler sprechen – Auracast in Diskussionsphasen


In vielen Unterrichtsphasen sprechen nicht primär die Lehrkraft, sondern die Schüler:innen – etwa bei Diskussionen, Präsentationen oder Gruppenarbeiten. Für schwerhörige oder auditiv belastete Lernende ist gerade diese „Peer-Kommunikation“ besonders kritisch, weil Kinderstimmen leiser sind, häufiger durcheinander sprechen und typischerweise weiter entfernt sitzen, während Hintergrundlärm und Nachhall die Sprachverständlichkeit zusätzlich verschlechtern (Mealings, 2022).

Auracast selbst definiert zunächst nur eine Broadcast-Audio-Verbindung von einem Sender zu vielen Empfängern, also ein „Einweg-Stream“ (Bluetooth SIG, o. J.-a). Die Spezifikation legt jedoch nicht fest, wie mehrere Mikrofone verwaltet, Sprecherwechsel organisiert oder Sprachsignale optimiert werden – sie ist eine Transporttechnologie, kein vollständiges pädagogisches Hörsystem (Bluetooth SIG, o. J.-b; Phonak, o. J.-b).

Damit Schülerrede zuverlässig bei allen Auracast-Empfängern ankommt, braucht es in der Praxis zusätzliche Audiotechnik: Ein naheliegender Ansatz ist ein „Pass-around“-Handmikrofon für Schüler, dessen Signal über eine Basisstation oder ein kleines Mischpult in den Auracast-Sender eingespeist wird; dieses Prinzip ist aus Roger-Funkmikrofonnetzwerken bekannt, in denen bis zu 35 Mikrofone (Lehrkraft + Schüler) zu einem gemeinsamen Signal gemischt werden können (Phonak, o. J.-a). Alternativ können Tisch- oder Deckenmikrofone mit Automixer verwendet werden, die alle relevanten Sprecher im Raum erfassen und das gemischte Signal wiederum an einen einzigen Auracast-Transmitter senden; technisch bleibt Auracast dann ein einzelner Broadcast-Kanal („Klassenzimmer-Stream“), der zuvor bereits mikrofonseitig aufbereitet wurde (Bluetooth SIG, o. J.-a).

Denkbar sind in Zukunft auch mehrere Auracast-Broadcasts im selben Raum, z. B. ein Kanal „Lehrer“ und ein Kanal „Diskussion/Schüler“, zwischen denen Nutzer in ihren Hörsystemen umschalten; das erhöht aber die Bedienkomplexität und setzt voraus, dass Schüler oder Lehrkräfte aktiv den jeweils passenden Stream wählen (Bluetooth SIG, o. J.-a, o. J.-b).


Fachbeiträge aus der Hörakustik warnen zudem, dass Auracast zwar das Verteilen eines Audiosignals löst, aber keine spezialisierten Algorithmen für Sprachverbesserung in Störlärm, automatische Sprecherpriorisierung oder pädagogische Workflows ersetzt; für Kinder mit Hörverlust bleiben daher Remote-Mikrofon-Systeme mit Schüler-Mikrofonen (z. B. Roger) derzeit der Goldstandard, während Auracast eher als ergänzende Übertragungsschicht gesehen wird (Phonak, o. J.-a, o. J.-b; Mealings, 2022).


Pädagogisch sinnvoll erscheint daher ein hybrider Ansatz: Lehrkraft und (mindestens ein) Schüler-Handmikrofon werden über ein bewährtes Mehrmikrofon-System erfasst und anschließend via Auracast an alle kompatiblen Kopfhörer und Hörgeräte verteilt; so wird Schülerrede technisch gleichwertig zum Lehrerkanal behandelt und der aus akustischer Sicht besonders problematische Peer-Input wird für alle besser verständlich (Mealings, 2022; Phonak, o. J.-a).


FM- und Soundfield-Anlagen: Bewährte, aber spezialisierte Lösungen


In inklusiven Settings haben sich FM‑Anlagen und Soundfield‑Systeme etabliert. FM‑Anlagen übertragen die Lehrerstimme direkt in Hörgeräte oder CIs einzelner Kinder und verbessern so deren individuelles Signal‑Rausch‑Verhältnis (SNR) (Winneke et al., 2020).


Soundfield‑Systeme wie Phonak Roger SoundField verteilen die Lehrerstimme dagegen gleichmäßig im Raum: Ein drahtloses Mikrofon sendet an eine Lautsprechersäule (z. B. DigiMaster), die ihre Lautstärke automatisch an den Umgebungsschall anpasst. Hersteller‑ und Händlerinformationen heben hervor, dass sich damit sowohl Sprachverstehen als auch Lernergebnisse in Schulklassen verbessern und Lehrkräfte ihre Stimme weniger belasten müssen.


Diese Systeme sind allerdings proprietäre Komplettlösungen, die aus Mikrofon(en), Lautsprechersäule(n), Empfängern und Zubehör bestehen und für bestimmte Raumgrößen (etwa bis 100 m² oder bis 300 m²) vorkonfiguriert werden. Dies führt zu vergleichsweise hohen Anschaffungskosten pro Raum, bietet dafür aber eine stabile, pädagogisch bewährte Infrastruktur für inklusive Beschallung.

 

Auracast™ Broadcast Audio: Offener Standard für inklusives Hören

Mit Bluetooth LE Audio und Auracast™ Broadcast Audio tritt ein neuer Standard auf, der Audiodaten von einer Quelle an viele Empfänger gleichzeitig senden kann, ohne dass jede Verbindung einzeln gekoppelt werden muss (Bluetooth SIG, o. J.-a).


Die Bluetooth SIG positioniert Auracast explizit als „next generation assistive listening technology“ und hebt hervor, dass damit barrierefreies Hören in öffentlichen Räumen – von Flughäfen bis zu Klassenzimmern – standardisiert und vereinfacht werden soll.


Für den Unterricht bedeutet dies:

  • Ein Auracast‑Sender im Klassenraum überträgt die Lehrerstimme (und ggf. weitere Audiokanäle) als Rundfunksignal,

  • kompatible Endgeräte – von Hörgeräten über CIs bis zu Kopfhörern und Smartphones – können diesen Stream auswählen, ähnlich wie ein WLAN.

  • Hersteller wie Listen Technologies und Ampetronic bieten bereits zertifizierte Auracast‑basierte Assistive‑Listening‑Lösungen für Bildungseinrichtungen an.


Anders als klassische FM‑Systeme ist Auracast als offener Industriestandard angelegt. Das reduziert das Risiko von Insellösungen und ermöglicht eine schrittweise Skalierung, wenn immer mehr Endgeräte Auracast unterstützen (Bluetooth SIG, o. J.-a).


Grober Kostenvergleich: Consumer-Auracast vs. spezialisierte Soundfield-Systeme


Ein praktischer Vorteil von Auracast im Schulkontext liegt in der Möglichkeit, zunächst mit Consumer‑Hardware zu starten. Ein Bluetooth‑5.4‑Audio‑Transmitter wie der FeinTech BT200 ist ausdrücklich für den Heimbereich (TV, PC, Konsole) konzipiert, unterstützt Auracast und kann Audio an mehrere Bluetooth‑Empfänger (Kopfhörer, Lautsprecher, Hörsysteme) senden.

Die Einstiegskosten für einen „Pilotraum“ mit einem solchen Sender plus einigen robusten Schul‑Headsets oder Dongles bewegen sich damit typischerweise im Bereich weniger Konsumergeräte, ohne bauliche Installation. Konkrete Summen hängen von Stückzahlen, Markenwahl und Beschaffungskonditionen ab.


Demgegenüber stehen spezialisierte Soundfield‑Systeme wie Phonak Roger SoundField, die als Komplettlösungen mit Lautsprechersäule, Funkmikrofon, ggf. Medien‑Anbindung und Servicepaket verkauft werden. Für typische Bundles, die Räume bis 100 m² oder 300 m² beschallen, fallen entsprechend höhere Investitionskosten pro Klassenraum an.

Wichtig ist: Die Bluetooth SIG betont, dass Auracast zunächst mit bestehenden Assistive‑Listening‑Technologien koexistieren soll, also Induktionsschleifen, FM und weitere Systeme ergänzt, nicht sofort ersetzt.


Für Schulträger bedeutet das:

  • Bestehende FM‑/Soundfield‑Anlagen können weiterbetrieben und punktuell über Audio‑Schnittstellen mit Auracast kombiniert werden.

  • Auracast‑Pilotprojekte erlauben es, Erfahrungen zu sammeln, ohne vorhandene Investitionen aufzugeben.

 

Hören als blinder Fleck der Schulentwicklung Argumentationslinie für Schulleitung und Schulträger


Aus den genannten Studien und technischen Entwicklungen ergibt sich eine konsistente Argumentation für den Einstieg in Auracast‑basierte Hörunterstützung – zunächst ergänzend zu bestehenden Systemen:


  1. Pädagogische Notwendigkeit:

    Die Metastudie von Mealings (2023) belegt, dass Verbesserungen der Klassenraumakustik Sprachverstehen, Aufmerksamkeit und Wohlbefinden von Schülern signifikant fördern können. Auracast überträgt dieses Prinzip auf die persönliche Hörsituation jedes einzelnen Kindes, indem die Lehrerstimme klar und störungsarm im Ohr ankommt (Bluetooth SIG, o. J.-a).


  2. Reduktion von Hör- und Gedächtnisanstrengung: 

    Winneke et al. (2020) zeigen, dass ein verbessertes SNR mithilfe von Richtmikrofonen sowohl subjektive Höranstrengung als auch EEG‑basierte Belastungsindikatoren reduziert. Auracast verfolgt dasselbe Ziel auf Raum‑ und Systemebene und verschafft damit gerade belasteten Schüler*innen mehr „kognitiven Spielraum“ für das eigentliche Lernen (Bluetooth SIG, o. J.-b).


  3. Inklusion statt Einzellösungen:

    Phonak Roger SoundField zeigt, wie technische Hörunterstützung die Inklusion hörgeschädigter Schüler*innen fördern kann. Auracast setzt hier an, geht aber einen Schritt weiter: Ein und dasselbe System kann von Kindern mit Hörgeräten, mit Kopfhörern oder mit Smartphones genutzt werden, ohne dass einzelne „Sondersysteme“ auffallen (Bluetooth SIG, o. J.-a).


  4. Kompatibilität mit moderner Didaktik:

    Die Synesthetic Learning Pedagogy zeigt, dass kombinierte Audio‑, Video‑ und Imagery‑Reize Lernprozesse stärken und auf generelle Mechanismen der Sinnesintegration zurückgreifen (Narasimhan et al., 2021). Auracast ermöglicht es, diese Audioebene differenziert und individuell bereitzustellen – etwa mit parallelen Streams für Standardsprache, vereinfachte Erklärungen oder Dolmetschung.


  5. Wirtschaftliche und strategische Perspektive:

    Während spezialisierte Soundfield‑Lösungen höhere Einmalkosten pro Raum verursachen, erlauben Auracast‑Pilotprojekte einen kostengünstigen Einstieg auf Basis von Consumer‑Hardware (FeinTech, o. J.; Bluetooth SIG, o. J.-a). Gleichzeitig fügen sich Auracast‑Systeme in langfristige Strategien zur Digitalisierung und Barrierefreiheit ein, die auf offene, international etablierte Standards setzen (Bluetooth SIG, o. J.-a).


Fazit


Die Forschung zu Klassenraumakustik, Höranstrengung und multikanaligem Lernen liefert ein klares Bild: Hören ist ein kritischer Flaschenhals des Lernens, insbesondere in inklusiven, heterogenen Lerngruppen (Mealings, 2023; Winneke et al., 2020; Narasimhan et al., 2021).

FM‑ und Soundfield‑Systeme wie Phonak Roger haben gezeigt, dass technische Hörunterstützung Lernergebnisse und Inklusion messbar verbessern kann. Mit Auracast tritt nun ein offener, skalierbarer Standard hinzu, der diese Idee in eine breiter zugängliche, zukunftssichere Infrastruktur überführen kann (Bluetooth SIG, o. J.-a).

Für Schulen und Schulträger bietet sich an, Pilotklassenräume mit Auracast‑Sendern und ausgewählter Endgeräte‑Ausstattung einzurichten, die Erfahrungen systematisch zu dokumentieren und anschließend zu entscheiden, in welchem Verhältnis Auracast, FM und Soundfield langfristig kombiniert werden sollen. So wird aus einer Funktechnologie ein strategischer Baustein für Chancengerechtigkeit, Inklusion und Unterrichtsqualität im 21. Jahrhundert.


Abkürzungen kurz erklärt

SNR = Signal-to-Noise Ratio (Signal‑Rausch‑Verhältnis).Das beschreibt, wie „stark“ das gewünschte Nutzsignal (z. B. die Lehrerstimme) im Vergleich zum Hintergrundrauschen ist.

  • Hohe SNR: Stimme deutlich lauter/verständlicher als der Lärm → gutes Verstehen.

  • Niedrige SNR: Viel Lärm, Stimme geht unter → anstrengendes Hören.

FM = Frequenzmodulation (frequency modulation).Im Schul‑/Hörkontext meint man damit meist FM‑Anlagen:

  • Lehrkraft trägt ein Funkmikrofon.

  • Das Signal wird per Funk direkt an Empfänger (Hörgeräte, CIs, Empfängergeräte) der Schüler*innen gesendet.

    → Die Kinder hören die Lehrerstimme klarer, unabhängig vom Abstand und Raumlärm.

 

Soundfield‑Anlagen = Technik, die die Lehrerstimme im ganzen Raum gut hörbar macht.

„Soundfield‑Anlage“ (oft auch Soundfield system oder Soundfield amplification) bezeichnet ein raumbezogenes Verstärkungssystem für Sprache im Klassenzimmer:

  • Die Lehrkraft trägt ein Mikrofon (meist Funk).

  • Das Signal geht an eine oder mehrere Lautsprechereinheiten im Raum.

  • Die Stimme der Lehrkraft wird so gleichmäßig im ganzen Klassenraum verteilt – nicht nur in der ersten Reihe.

  • Ziel: besseres Sprachverstehen und weniger Stimm‑Belastung für die Lehrkraft, besonders in akustisch schwierigen Räumen oder bei großen Klassen.

Im Unterschied zu FM‑Anlagen wird hier der Raum beschallt, nicht nur einzelne Hörgeräte oder Kopfhörer.

 

Synesthetic Learning Pedagogy SLP = Didaktik, die Lernen über kombinierte Sinneskanäle (Audio, Bild, Vorstellung) systematisch nutzt.

Die Synesthetic Learning Pedagogy (SLP) ist ein pädagogisches Konzept aus der Hochschul‑/Ingenieursausbildung:

  • „Synesthetic“ steht hier für das bewusste Zusammenspiel mehrerer Sinneskanäle beim Lernen:

    • Hören (Audio, Sprache),

    • Sehen (Bilder, Animationen, Videos),

    • innere Vorstellungen (Imagery) usw.

  • SLP nimmt an, dass Lernen effektiver wird, wenn Inhalte gezielt so gestaltet werden, dass diese Kanäle sich gegenseitig verstärken – statt nur „Frontalvortrag + Folien“.

  • Praktisch heißt das z. B.:

    • gleichzeitige Nutzung von Audio‑Erklärungen, visuellen Darstellungen und mentalen Bildern,

    • bewusste Gestaltung von Materialien so, dass mehrere Sinnesmodalitäten angesprochen werden.


TTS = Text-to-Speech.Das sind Systeme, die geschriebenen Text automatisch in gesprochene Sprache umwandeln:

  • PC oder Tablet bekommt Text → erzeugt eine künstliche, aber meist gut verständliche Stimme.

  • Wird u. a. in Screenreadern, Vorlesefunktionen und in deinem Szenario für „Leichte Sprache“ oder Übersetzungen genutzt.

 

Literaturquellen


Bluetooth SIG. (o. J.-a). Auracast™ broadcast audio. Bluetooth® Technology Website. https://www.bluetooth.com/auracast/


Bluetooth SIG. (o. J.-b). Auracast™ – For assistive listening. Bluetooth® Technology Website. https://www.bluetooth.com/auracast/assistive-listening/


FeinTech. (o. J.). FeinTech Bluetooth-Sender BT200 Bluetooth 5.4 Audio Transmitter aptX Auracast SPDIF-Passthrough [Produktseite]. https://www.idealo.de/preisvergleich/OffersOfProduct/208069971_-bluetooth-sender-bt200-bluetooth-5-4-audio-transmitter-aptx-auracast-spdif-passthrough-feintech.html


Mealings, K. T. (2023). The effect of classroom acoustic treatment on listening, learning, and well-being: A scoping review. Acoustics Australia, 51(2), 279–291. https://doi.org/10.1007/s40857-023-00291-y


Mealings, K. (2022). The effect of classroom acoustic conditions on literacy outcomes for children in primary school: A review. SAGE Journals. https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1351010X211057331


Narasimhan, V. L., Bhargavi, G. V., Lakshmi, C., & Lee, L. (2021). Synesthetic Learning Pedagogy (SLP)—An exploratory investigation. In S. Agrawal, K. K. Gupta, J. H. Chan, J. Agrawal, & M. Gupta (Hrsg.), Machine intelligence and smart systems (Kap. 1). Springer. https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-981-33-4893-6_1


Phonak. (o. J.-a). Assistive listening devices for the classroom | Roger for Education. Phonak. https://www.phonak.com/de-de/hoerloesungen/mikrofone/roger-for-education sehe und höre auch das selbst produzierte Video zu dem Phonak Roger™ Schulsystem: Roger™: https://www.youtube.com/watch?v=zdsJY9eVxf8

Phonak / revEAR akustik. (o. J.). Phonak Roger SoundField – Komplettlösung für Schulen [Produktinformationen]. revEAR akustik. https://revear-shop.de/p/phonak-roger-soundfield-komplettloesung-fuer-schulen


Phonak. (o. J.-b). Roger™ at hand, Auracast on the horizon: What audiologists need to know. Audiology Blog. https://audiologyblog.phonakpro.com/roger-at-hand-auracast-on-the-horizon-what-audiologists-need-to-know/


Winneke, A. H., Schulte, M., Vormann, M., & Latzel, M. (2020). Effect of directional microphone technology in hearing aids on neural correlates of listening and memory effort: An electroencephalographic study. Trends in Hearing, 24, 1–20. https://doi.org/10.1177/2331216520948410


 

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